Typo3 – das beliebteste CMS für komplexere, mehrsprachige Webseiten

WordPress ist mittlerweile das meistgenutzte Content Management-System (CMS) weltweit – so viel steht fest. Dennoch greifen Webdesigner, unter anderem wenn Webseiten besondere, vielleicht sehr komplexe Aufgaben übernehmen sollen, nach wie vor oft und gerne zu Typo3. Die ursprünglich dänische Software gilt mit mehr als 500.000 Installationen tatsächlich als einer der größten Konkurrenten des Branchenprimus. Eine Website ist damit zwar generell weniger einfach zu erstellen, da hier für ein effizientes Vorgehen durchaus spezifische Programmierkenntnisse bzw. Erfahrungen in den zentralen Webstandards und der Konfigurationssprache TypoScript erforderlich sind – dafür zeigen sich die Möglichkeiten in vielen Kontexten jedoch umso differenzierter.

Diejenigen, die Typo3-Seiten letztendlich verwalten müssen, sind von den zuvor genannten Voraussetzungen nicht betroffen. Das Einpflegen von Inhalten, die Erstellung neuer Webseiten, Suchmaschinenoptimierung etc. kann im Prinzip auch von absoluten Webdesign-Laien problemlos erledigt werden. Wer sich einigermaßen mit Word auskennt, sollte mit Typo3 ebenfalls zurechtkommen. Die grundsätzlich überaus nutzerorientierte Ausrichtung des CMS und nicht zuletzt die hohe Sicherheit wird unter anderem durch die Bereitstellung mit der General Public License gewährleistet. Es handelt sich also um eine Open Source Software, die somit von einer großen Entwickler-Community stetig weiter vorangetrieben werden kann. Welchen Weg das CMS bisher zurückgelegt hat, lesen Sie in diesem Artikel.

Was ist Typo3?

Typo3 ist ein Web Content Management-System, das auf PHP basiert. Neben Drupal, Joomla! und WordPress zählt es zu den beliebtesten CMS weltweit, ist aber in Europa deutlich stärker verbreitet als in anderen Regionen. Der größte Marktanteil entfällt auf den deutschsprachigen Raum. Der Sitz der Typo3 Association ist dementsprechend in Baar, einer Gemeinde des Schweizer Kantons Zug.

Das System zeichnet sich durch eine hohe Flexibilität aus. Diese gründet unter anderem auf der Tatsache, dass hier die Möglichkeit gegeben ist, Code und Content separat zu bearbeiten. Um das Maximum aus dem CMS ziehen zu können, sind jedoch Kenntnisse in spezifischen Web- bzw. Konfigurationssprachen erforderlich. Dennoch arbeitet es – wie auch seine Konkurrenz – mit Erweiterungen, den sogenannten Extensions, mithilfe derer es relativ einfach um neue Funktionen ergänzbar ist, ohne dass extra Code geschrieben werden muss.

Außerdem ist die Software in mehr als 50 Sprachen erhältlich und verfügt über ein integriertes Lokalisierungssystem, das die Veröffentlichung von Inhalten in mehreren Sprachvarianten vereinfacht. Aufgrund seiner – schon in der Grundversion – vielfältigen und benutzerfreundlichen Funktionen, seiner Flexibilität, Effizienz und Leistungsstärke sowie tausenden verfügbaren Extensions kann Typo3 zum Erstellen und Verwalten von Webseiten unterschiedlichster Arten und Umfänge eingesetzt werden – von kleinen Anwendungen für Einzelpersonen, Vereine oder gemeinnützige Organisationen bis hin zu immensen, mehrsprachigen Strukturen für international tätige Konzerne.

Das CMS gilt heute oft als optimale Lösung für mittelständische und größere Unternehmen, die sich über einzigartige, ganz und gar individuelle Designs sowie Funktionen von Ihrer Konkurrenz absetzen möchten. Die einfache Nutzbarkeit durch den Endanwender ist dabei natürlich ebenfalls ein elementarer Anreiz. Denn viele dieser Website-Betreiber beschäftigen keine internen Experten, die sich um das Management ihrer Webinhalte kümmern, und setzen daher die Option einer möglichst simplen Bearbeitung voraus.

Übrigens ist das CMS bereits von Haus aus bestens für die Suchmaschinenoptimierung aufgestellt. Durch seinen validen Quellcode, sprechende URLs und automatisierte Metadaten-Einträge, die schon in der Basisversion vorliegen, werden Webseiten praktisch automatisch suchmaschinenfreundlich erstellt. Für maximalen Erfolg sind selbstverständlich weitere Extensions zur Suchmaschinenoptimierung zu implementieren bzw. entsprechende manuelle SEO-Schritte unerlässlich.

Typo3 – die Software zur Erstellung von Webseiten, die den Begriff Content Management-System maßgeblich mitgeprägt hat

1997 begann Kasper Skårhøj mit der Entwicklung seines CMS. Zu dieser Zeit war der Begriff Content Management noch weitgehend unbekannt. Er war auf der Suche nach einer praktikablen Lösung, um die schon damals an Komplexität stetig zunehmenden Webseiten effizienter umsetzen und verwalten zu können. Nach Monaten intensiver Arbeit wurde die erste Typo3-Version im Oktober 1998 auf der IFRA in Lyon, Frankreich, der Öffentlichkeit präsentiert. Dieses Datum markiert für viele Experten nicht nur die Geburtsstunde von Typo3, sondern ebenso den Startpunkt auf dem Weg zu modernen, mächtigen CMS, wie wir sie heute kennen.

In den folgenden Jahren wurde die Software mehrfach erweitert, umgeschrieben und sogar teilweise technisch komplett umgestellt. Obwohl immer mehr Unternehmen das System einsetzten, erfolgte erst im Mai 2002 das Release der ersten Version, die nicht mit dem Zusatz “Beta Test” gekennzeichnet war. Tatsächlich bildet der Kern dieses „Prototyps“ heute noch immer die Basis der Anwendung. Es erfolgten seitdem jedoch immens viele, teils sehr innovative Anpassungen. Wir werfen nun einen genaueren Blick darauf, wie sich das CMS in den letzten knapp 20 Jahren verändert hat.

Timeline – 2002 bis heute

2002

Im Frühjahr 2002 wird das erste Community Meeting veranstaltet. Entsprechende Events bilden bis heute die wichtigsten Foren des Austauschs unter den Entwicklern sowie für die Bekanntgabe relevanter Neuerungen. Am 24. Mai startet die Typo3-Version 3.0, mit der die Beta-Phase endgültig Geschichte ist. Kurz danach bezieht sie das deutsche PHP Magazin neben zahlreichen weiteren PHP-basierte CMS in einen umfangreichen Test ein – sie kann sich behaupten. Außerdem wird der Extension Manager integriert, der sich in den Folgejahren zu einem der wichtigsten Tools entwickelt. Es erfolgen weiterhin Relaunches von typo3.com und typo3.org mit neuer Corporate Identity.

2003

Die Version 3.5 wird veröffentlicht. Enthalten sind die Segmentierung des Systems in Core, System Extensions und die Möglichkeit, 3rd Party Extensions mit dem Extension Manager zu schalten.

2004

Im Mai 2004 wird die Version 3.6 gelauncht. Diese umfasst wiederum einige Features, die bis heute einen festen Stand innerhalb des Systems haben. Dazu zählen insbesondere die XHTML-konformen Standard Content Elements, die den Grundstein für barrierefreie Webseiten legen. Noch im selben Jahr, nämlich im September, erfolgt das Update auf Version 3.7. Dieses bringt vereinfachte Content Localization, ein Command Line Interface und „Language“ als HMENU-Typ mit. Des Weiteren wird die Typo3 Association gegründet. Hierbei handelt es sich um die Schirmorganisation, die das gesamte Projekt bis heute betreut.

2005

Die Version 3.8. wird im Mai 2005 veröffentlicht. Sie ist nun GraphicsMagick-kompatibel, bietet ein mehrsprachiges Backend und Authentifizierungsdienste. Im August erfolgt die erste Erwähnung im T3N Magazin. Des Weiteren wird mit der ersten Typo3-Konferenz in Karlsruhe, damals TYCON3 genannt, eine weitere wichtige Veranstaltung dem Event-Kalender hinzugefügt.

2006

Mit der Veröffentlichung der Version 4.0 im April 2006 erhält das System eine verbesserte Benutzeroberfläche und kann aufgrund seiner nun bereits überaus vielfältigen Funktionen als echtes Enterprise Content Management System betrachtet werden. Es kommt in komplexen Projekten einer Vielzahl von Unternehmens-Websites zum Einsatz. Außerdem erfolgen erneut Relaunches von typo3.org und typo3.com.

2007

Die Version 4.1 wird im März 2007 veröffentlicht. Es gibt nun einen optimierten Seitenbaum mit Ajax, Inline Relational Record Editing (IRRE), eine verbesserter UTF-8-Unterstützung und die InnoDB-Funktionen werden aktiviert.

2008

Die Certified Integrator Programms werden eingeführt. Beim Berlin Manifesto legen die Typo3-Entwickler den Projektplan für die kommenden Jahre fest. Im April erfolgt der Launch der Version 4.2 mit vielen GUI-Verbesserungen im Backend – darunter AJAX-Funktionen, erweiterte Features des Texteditors, eine Optimierung des Frontend Logins und des Extension Update-Prozesses.

2009

Die Version 4.3 erscheint im November. Sie umfasst nun eine modifizierte Frontend-Bearbeitung, einen Flash Uploader und einen Papierkorb für das Backend sowie neue Systemberichte und System-Scheduler. Des Weiteren wird das neue Caching Framework eingeführt, es erfolgen Sicherheitsoptimierungen mit Salt und RSA sowie die Integration von Extbase und Fluid-Funktionen.

2010

Mit der Veröffentlichung der Version 4.4 im Juni 2010 gehen ein vollständiges Backend-Redesign inklusive Performance-Verbesserungen, eine vereinfachte Installation, das erste Introduction Package (eine komplette Website-Vorlage), eine CSS- sowie Javascript-Komprimierung und HTML5-Unterstützung im Frontend einher.

2011

Die Version 4.5 wird erstmals mit dem Zusatz “LTS” veröffentlicht. Jener steht für “Long Term Support” und sichert die Wartung und den Service in Form von Updates sowie Sicherheits-Patches für drei Jahre. Im Oktober folgt die Typo3-Version 4.6 mit Features, wie der Internationalisierung mit XLIFF, neuen Inhaltselementen für Website-Formulare sowie Sicherheits- und Leistungssteigerungen. Des Weiteren erscheint im November das Flow 1.0 Framework (früher FLOW3), das die Typo3-Möglichkeiten weiter ansteigen lässt.

2012

Die Typo3-Version 4.7 wird im April 2012 gelauncht. Sie umfasst die vollständige Barrierefreiheit für Neuinstallationen nach WCAG, eine Einführung neuer HTML5-Elemente wie Audio und Video, Verbesserungen für TCEforms sowie das Government Package – einer Muster-Website für Regierungen, Ämter und Behörden. Es folgt die Veröffentlichung der Version 6.0 im November mit PHP-Namespace-Unterstützung, dem File Abstraction Layer, Drag-and-Drop Features im Seitenmodul, IPv6-Kompatibilität und standardisiertem Bootstrap für Mount Points. Im August erscheint zudem Flow 1.1.

2013

Die Zertifizierungsprüfung kann nun online, rund um die Uhr und weltweit in Zusammenarbeit mit Pearson VUE vonstattengehen. Im April wird die Version 6.1 gelauncht. Sie umfasst eine Verbesserung des File Abstraction Layers, UI-Optimierungen für den Extension Manager und die Verwendung von PHP mysqli anstatt des mysql-Moduls. Im Juni erfolgt die Veröffentlichung von Flow 2.0 und kurz darauf erscheint das Neos 1.0 Framework. Neos ist heute ein eigenständiges CMS, das sich der Vorteile von Typo3 bedient, dabei aber seine ganz eigenen Anwendungsnischen fokussiert.

2014

Im März wird die Version 6.2, die nächste LTS-Version nach CMS 4.5 veröffentlicht. Sie bietet Wartungsupdates für 3 Jahre – bis Oktober 2017. Des Weiteren erfolgt der Launch der Version 7 im Dezember 2014. Hierbei handelt es sich um das erste Sprint Release in Richtung Final 7 LTS.

2015

Im Februar 2015 erscheint Typo3 CMS 7.1. Das Frühjahr bringt darüber hinaus die ersten Verhandlungen innerhalb der Association über eine eventuelle Trennung des Neos-Projekts. Die Version 7.3 wird im Juni veröffentlicht. Sie bringt noch mehr Stabilität und Kontrolle für den User. Es folgen die Versionen 7.4 im August, 7.5 im September und 7 LTS im November mit zahlreichen kleineren Updates.

2016

Typo3 Fluid wird als eigenständige Bibliothek auf Github veröffentlicht. Außerdem wird die Typo3 GmbH gegründet.

2017 bis heute

Typo3 ist mittlerweile sehr ausgereift und damit überaus sicher sowie benutzerfreundlich. In den letzten Jahren erhielt das System selbst nur kleinere Aktualisierungen, die Extensions-Vielfalt wurde jedoch immens erweitert. Gerade im Bereich der einfachen Integrierung spezieller Features sowie der Suchmaschinenoptimierung hat sich einiges getan. Mittlerweile gibt es die Typo3-Version 8 LTS. Darüber hinaus erfolgte die Einführung der Community-Mitgliedschaft und die Website typo3.org hat erneut einen Relaunch mit vielen nützlichen Features für Webdesigner und Webmaster erhalten.